Ich war nie gut im Verkaufen. Genauer: Ich war gut darin, mich zu verkriechen, sobald jemand nach dem Preis fragte. Dann kam dieses Stottern, das Rechtfertigen, das vorschnelle Rabatt-Angebot, das niemand verlangt hatte.
Letzten Monat habe ich etwas Ungewohntes probiert. Ich habe eine KI gebeten, einen skeptischen Interessenten zu spielen. Budget knapp, schon zwei schlechte Erfahrungen mit Beratern, wenig Zeit. Und dann sollte sie mich löchern.
Die erste Runde war ein Desaster.
Bei „Das ist mir zu teuer“ knickte ich sofort ein. Bei „Was bringt mir das konkret?“ redete ich zwei Minuten über Features, ohne ein einziges Ergebnis zu nennen. Die KI blieb höflich hartnäckig, genau wie ein echter Kunde es wäre. Kein Mitleid, keine Höflichkeitsschleife.
Das Entscheidende: Es gab keine Zuschauer. Ich konnte den gleichen Einwand zehnmal durchspielen, bis meine Antwort saß. Kein echter Lead ging dabei verloren, kein peinliches Schweigen vor einem zahlenden Kunden.
Nach Runde fünf hatte ich für die drei häufigsten Einwände eine ruhige, klare Antwort. Nicht auswendig gelernt, sondern durchgespielt, bis sie sich richtig anfühlte.
So geht es praktisch: Beschreib der KI dein Angebot, deinen typischen Kunden und seine Bedenken. Bitte sie, diesen Kunden zu spielen und hart zu bleiben. Nach dem Gespräch lass dir Feedback geben, wo du ausgewichen bist.
Die Lektion war nicht, dass KI mich zum Verkäufer macht. Sie ist der Übungspartner, der nie genervt ist und nie mitleidig wird. Den Mut, beim echten Kunden ruhig zu bleiben, bringt am Ende die Wiederholung.


